Verschwindet der „Union Jack?“

Edinburgh – die Hauptstadt der Schotten. Bald die zweite auf der britischen Insel, falls die Schotten tatsächlich am 18. September 2014 ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erklären. Schottland wäre nach über 300 Jahren wieder ein selbständiger Staat.

Während meines Aufenthaltes in London, machte ich mich auf den Weg nach Edinburgh. Es war schon immer mein Wunsch gewesen, dieses Land zu besuchen, dass sich seit Jahrhunderten nach der Unabhängigkeit sehnt. Vermutlich war der Hollywoodfilm „Braveheart“ dafür verantwortlich. Mit Mel Gibson in der Hauptrolle. Ich wollte mir unbedingt die Highlands ansehen und das mittelalterliche Edinburgh, wo die legendäre Königin von Schottland Maria Stuart lebte und herrschte.

Die Altstadt ist recht klein und übersichtlich. Man erreicht die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in kurzer Zeit zu Fuß. Beginnt man an der Scottish National Gallery, geht man die Princess Street rauf bis zum Edingburgh Castle und über die berühmte Royal Mile wieder runter in Richtung Regierungsviertel.

Die ruhigste Hauptstadt Europas

Unterwegs sollte man unbedingt im Schokoladenhaus halt machen, ungefähr auf dem halben Weg. Es kam mir so vor, als ob Edinburgh die ruhigste Hauptstadt Europas wäre. Von einer Aufbruchsstimmung war jedenfalls nichts zu spüren. Es ist wohl eher das nostalgische Schottland, das sich nach einer Unabhängigkeit von London sehnt. Ein neues mittelalterliches Königreich, ganz alleine im hohen Norden Europas. Sie wären am liebsten alleine, ganz alleine! Auf dieser Insel, die sie sich zwangsweise mit den Engländern und Walisern teilen.

Entscheidet sich Schottland für die Unabhängigkeit, wird es unzählige Probleme mit sich bringen. Als erstes habe ich mich gefragt, was denn eigentlich mit der britischen „Union Jack“ passiert? Man müsste das schottische Andreaskreuz aus der britischen Flagge entfernen. Aber ändert man die Flagge, müssten zugleich über 20 Staaten auch ihre Fahne ändern! Dazu gehören Australien, die Falklandinseln, die Bermudas und viele karibische Inselstaaten. Was für ein Aufwand! Die Schotten sehnen sich nach einem Königreich, einer eigenständigen und selbstverwaltenden Nation wie im dunklen 14. Jahrhundert. Die Niederlange gegen Engländer bei der Schlacht von Bannockburn am 24. Juni 1314, unter der Führung von Robert the Bruce, ist ein Schicksalstag in der Geschichte Schottlands. Sie verloren ihre Unabhängigkeit. Damals noch mit Waffen, kämpfen sie heute mit Worten und so etwas wie Demokratie.

 

Uneinigkeit der Schotten

Wie aktuelle Umfragen zeigen, sind sich die Schotten dennoch uneinig. Viele befürchten einen wirtschaftlichen Kollaps, falls das Referendum Erfolg hat. Aus London warnt man vor einer Katastrophe: „Wenn Schottland die schützende Hand Englands verliert, wird es in einer wirtschaftlichen Katastrophe enden“, sagt der britische Finanzexperte Eduard Planac. Die Regierung in London deutete zudem an, die Wiederaufnahme in die EU zu blockieren. Auch eine Währungsunion wird es mit England nicht geben. Die schottischen Nationalisten geben sich optimistisch. Der Vorsitzende Alex Salmond erklärte zuletzt, dass es keinen Grund gebe, warum die Schotten schlechter die Herausforderungen unsere Zeit bewältigen könnten, als die Engländer.

 

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