Rivalitäten im Fußball

Nichts ist aufregender als ein Derby. Wenn die Emotionen nicht mehr zu bremsen sind und die Angst einen umklammert, beim bloßen Gedanken an eine Niederlage gegen den Erzrivalen. Oh mein Gott, die Scham wäre unendlich! Und bei einem Sieg? Tja, dann kennt die Freude keine Grenzen. Da stolziert man angehobenen Hauptes durch die Straßen, als ob man der Torschütze höchstpersönlich gewesen war.  

Das schlimmste an der Sache ist aber, dass man überhaupt keinen Einfluss auf so ein Fußballspiel nehmen kann, außer laut zu brüllen. Was so einige für eine Berufung halten. Man muss es hinnehmen, wenn die eigene Mannschaft grottenschlecht spielt. Und heult dann tagelang jeder vergebenen Chance hinterher. Anders bei einem Sieg, wenn man dann im „Gegnerruntermachen“ ganz kreativ wird. Ich frage mich, was das Derby so brisant macht? Und so unwiderstehlich für den Fußballfan.

Ein Derby hat viel mit Geschichte, Symbolik, Geographie, Religion, Politik oder Erfolg zutun. Zum Beispiel, wenn zwei Vereine aus der gleichen Regionen aufeinandertreffen, die wenige Kilometer von einander entfernt sind, wie das Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Oder Vereine, die in der langen Fußballgeschichte oft um den Titel gespielt haben, wie Real Madrid und der FC Barcelona in Spanien. Manchmal geht es auch um religiöse Differenzen, wie im Derby zwischen den katholischen Celtics und protestantischen Glasgow Rangers in Schottland. Ein Sieg oder eine Niederlange können sogar ganze Regionen in Atemnot versetzen, wie beim „Vječni Derbi“ zwischen Hajduk Split und Dinamo Zagreb in Kroatien.

Ein Derby ist für den Fan die wichtigste Partie des Jahres. Oft versuchen die Vereine und Funktionäre vergeblich die aufgeladene Stimmung zu entschärfen, um nicht nur den Druck von der Mannschaft zu nehmen, sondern auch um Gewalt zu verhindern. Denn einige Chaoten nehmen ein solches Spiel als Anlass für Schlägereinen und Gewaltausbrüche. Das Derby ist kein Krieg! Viele vergessen, dass es dabei nur um  drei Punkte geht. Die schönen Seiten dieser großen Derbys, das Stadionerlebnis, die Freude an der gegenseitigen Provokation stehen oft gar nicht mehr im Vordergrund. Und humorvolle öffentliche Sticheleien von Spielern oder Verantwortlichen sind so gut wie verschwunden.

Es gab mal eine Zeit, da bezeichnete Dortmunds ehemaliger Manager Michael Meier seinen Schalker Kollegen wegen dessen schnodderiger Auftritte im feinen Zwirn als „Kaschmir-Hooligan“. Das traut sich heute niemand mehr. Zu groß ist die Angst, sich dem Vorwurf auszusetzen, Gewaltkonflikte anzuheizen. Doch in der Rivalität gibt es auch positives. In Köln oder in Gladbach ist die Vorfreude der meisten Fans vor keinem Spiel größer als vor dem Derby. Auch Menschen aus dem ganzen Rheinland, die eigentlich wenig für Fußball übrig haben, schauen plötzlich genau hin. Legenden entstehen, immer wieder erzählen die Duelle diese besonderen Geschichten, wegen derer der Fußball so geliebt wird.

 

 

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