Populist sein – eine deutsche Version

Eins sollte man nie machen: Als Populist zugeben, dass man Politiker ist. Denn die Politik ist ein schmutziges Geschäft – welches es zu bekämpfen gilt. Meint man! Aber oft wollen Populisten genau dort hin. In die Politik – und am besten direkt ganz nach oben. Aber schaut man auf die typischen Charakteristika eines Populisten, so ist es ein Widerspruch. (Nur kurz: allgemeingültige Merkmale gibt es eigentlich gar nicht! Das Phänomen ist wissenschaftlich zu kompliziert – man benutzt daher gemeinsame Merkmale zur Identifizierung von Populisten.)

Ein Populist stellt sich gegen die da oben. Gegen die Elite aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Also gegen alles was Rang und Namen hat. Auch dann, wenn er selbst oben hin will oder bereits angekommen ist. Alles ist auf seine Person zugeschnitten. Er ist ein charismatischer Führer, der die Menschen mitreißen kann. Dabei ist sein Politikstil auf das VOLK ausgerichtet. Ein Populist handelt nur im Namen der Bürger. Weil sie von der Elite im Stich gelassen wurden. Daher wollen sie die Institutionen bekämpfen, um dem Volk die Macht zurück zu geben, welche einst an die böse Elite verloren ging. Volksentscheide sind das beliebte Mittel.

Auf dem Weg zu ihren Ziel versuchen Populisten ihre politischen Gegner an den Pranger zu stellen. Sie bei der Bevölkerung zu verunglimpfen – sie als Lügner, Verräter und gierige Egoisten darzustellen. Oft gehen sie auf die Ängste der Menschen ein: besonders auf die vor Fremden, Terror oder sozialem Abstieg. Dabei geben sie nichts auf sachliche Analysen oder offizielle Statistiken – alles nur Fakenews. Auf schwierige Fragen gibt es immer einfache Antworten. Nur sollte man als Populist vorsichtig sein, keine Ärger wegen Verleumdung und Volksverhetzung zu bekommen.

Ungewöhnlich für Populisten wird es dann, wenn sie an der Macht sind und sich langsam in den eigenen Worten verstricken, sich selbst widerlegen. Denn so einfach ist es dann doch nicht zu regieren. Die eigene Karriere kann dann schnell in den verSCHULZen.

Aber: Der Populismus hat auch etwas gutes. Er belebt die Demokratie und den Diskurs. Zudem bekommen die schlafenden Eliten einen Schreck und passen besser auf ihr Benehmen auf. Doch sollte man beachten, dass es verschiedene Populismusformen gibt: es gibt harte und weiche, rechte und linke Populisten. Zudem entwickelt sich der Populismus von Land zu Land anders. Was ist Deutschland als populistisch gilt, muss in anderen Staaten, wie beispielweise in Ungarn, nicht zwingend Populismus sein. Dort ist es einfach nur POLITIK.