Politic

In Alpbach mit Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic

Vielen von uns geht die aktuelle politische Situation in Deutschland, Europa und der Welt gegen den Strich. Kein Wunder also, wenn sich viele fragen: Warum soll ich mich politisch engagieren? Wozu brauche ich die Demokratie? Und kann ich überhaupt etwas an der aktuellen politischen Lage ändern? Die Antwort darauf fällt relativ kurz und deutlich aus: JA! Wir können fernab von Facebook-Posts und Tweets gemeinsam Politik gestalten und die Gesellschaft demokratisch, christlich und sozial verändern.   

Politik gilt vielen als langweilig und veraltet. Dabei ist das politische Leben so vielfältig und spannend. Immerhin ist es unsere Zukunft, um die es geht! Und über die in den staatlichen Institutionen debattiert und entschieden wird. Wir müssen uns das immer wieder vor Augen führen und den Mut haben, mitreden zu wollen. Denn wir können gemeinsam etwas bewegen und für eine bessere Politik einstehen, in der auch unsere individuellen Wünsche berücksichtigt werden können. Mir kam es lange Zeit so vor, als ob sich unsere Gesellschaft in einem politischen Wachkoma befindet. Aber spätestens seit der Wirtschaftskrise, dem drohenden Terror und der Flüchtlingskrise, nimmt die Politik wieder einen breiteren Raum im Alltag der Menschen ein. Aber zu oft aus einer negativen und stark polarisierenden Perspektive. Politik kann wirklich Spaß machen! Ich bin der Meinung, dass wenn sich mehr Bürger politische engagieren, wir auch einen positiveren Aufschwung in unserer Gesellschaft erleben. Denn die freie Demokratie, die soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung christlicher Werte erzeugen ein positives Klima.

Herausforderungen der Zukunft 

Es ist sehr schade, dass so viel von Politikverdrossenheit zu hören ist. Vor allem Jugendliche haben das Gefühl, nicht gehört zu werden. Mich hat vor kurzem ein älterer Freund gefragt: „Was ist los mit der Jungend? Wieso geht ihr nicht auf die Straße und kämpft für eine bessere Gesellschaft?“ Naja, antwortete ich ironisch, es geht den meisten doch ganz gut und ehrlich gesagt, wir sind doch ganz schön faul geworden. Und über Facebook, Instagram und Twitter, kann man auch ganz bequem von Zuhause aus protestieren. Was so flach klingt, ist die tatsächliche Stimmung der Zeit. Dabei können wir viel mehr machen! Meine Erfahrung zeigt mir, dass die Jungend sehr gute und kreative politische Ideen hat, und auch gerne gehört wird. Es ist ein Privileg unserer Demokratie, dass wir uns politisch engagieren können, und das sollten wir nutzen. Viele Menschen in anderen Ländern kämpfen darum, von den Politikern gehört zu werden und müssen für ihr Engagement oft mit der eigenen Freiheit bezahlen. Wir leben in einem Staat, in dem die eigene Meinung gesagt werden darf und auch gesagt werden sollte. Viele nutzen diese Möglichkeiten nicht und schimpfen lieber vom Küchentisch auf die Politiker, dabei ist es viel effektiver, selbst aktiv zu werden.

Probleme der Politik, des Zusammenhalts und der Gesellschaft

In München mit Horst Seehofer, Edmund Stoiber, Michaela Kaniber, Ilse Aigner, Miro Kovac und Freunden

Was hält unsere Gesellschaft eigentlich zusammen und wie viel Gemeinsames brauchen wir, damit wir politisch handlungsfähig werden? Diese Frage hat, meiner Meinung nach, im politischen Alltag wenig Raum. Aus dem einfachen Grund, da Politik ein Wettbewerb ist, in dem man sich durch Abgrenzung profilieren kann. Politik ist meistens von pragmatischem Handeln geprägt, bei dem man auf mittel- oder langfristigen Erfolg hofft. Viele Menschen fragen sich, ob sich die Politiker in einem solchen Umfeld überhaupt die Zeit nehmen können, grundsätzliche Fragen zu diskutieren und den Menschen dadurch eine Orientierung zu geben? Wenn man sich ältere Debatten im Fernsehen anschauet, denkt man, dass die Politik vor wenigen Jahrzehnten viel leidenschaftlicher war und mit weniger Kalkül entschieden wurde. Was ist da eigentlich passiert? Die Antwort scheint einfacher zu sein als es scheint. Vor allem in Deutschland festigte sich durch das Wegfallen des Links-Rechts-Schemas und der Bekennung der Volksparteien zur Sozialen Marktwirtschaft, ein breiter Konsens. Dadurch sind grundsätzliche Fragen nicht mehr strittig. Der politische Diskurs dreht sich überwiegend um die sozialen Klüfte. Folgende Fragen stehen im Zentrum der politischen Debatte: Welche Rolle spielt die Sozialpolitik, die Bildungspolitik? Was hält uns zusammen? Was macht uns handlungsfähig? Ist es das Zusammengehörigkeitsgefühl eines Volkes, einer Nation? Sind es Wertvorstellungen?