Azraq – Auf den Spuren des Lawrence von Arabien

Eine Ruine mitten in der Wüste – das Qasr al-Azraq. Eigentlich gibt es hier nicht viel zu sehen. Schwarze Basaltsteine, die nicht unbedingt einladend aussehen und ein leerstehender Innenhof. Dennoch lohnt sich ein Besuch dieser außergewöhnlichen Festung, denn hier errichtete Lawrence von Arabien im Winter 1917 sein Hauptquartier, während der arabischen Revolte gegen das Osmanisches Reich, ein. Sein Zimmer befand sich in der Kammer direkt über dem Eingangstor.

Das Qasr al-Azraq gehört zu den drei Wüstenschlössern Jordaniens und befindet sich etwa 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Amman, auf der Straße die in den Irak führt. Aber Vorsicht! Um zum Wüstenschloss zu gelangen, fährt man circa 70 Kilometer durch die Wüste. Oft bieten die Einheimischen vor Ort eine private Führung an. Die lohnt sich und dauert etwa 40 Minuten!

Das Gebiet um Al Azraq wurde ursprünglich etwa 300 v. Chr. von Nabatäern besiedelt, bevor es unter Herrschaft des Kaisers Diokletian in römische Kontrolle fiel. Die ersten Teile der Festungsanlage wurden zu Zeiten der Römer erbaut, die die Burg dann auch erstmals militärisch nutzten. Vergrößert wurde das Schloss dann während der Besetzung von byzantinischen und omaijadischen Herrschern. Ihrer letzte große Bauetappe mit einer umfassenden Renovierung als auch Erweiterung und somit ihre heutige Form erhielt die Burg dann schließlich im Jahre 1237, während sie sich im Besitz der Mameluken befand. Im 16. Jahrhundert besetzten die Osmanen die Burg für mehrere hundert Jahre bevor sich schließlich Lawrence von Arabien während der arabischen Revolte 1917/1918 hier aufhielt. Gerade die Verbindung zu Lawrence von Arabien ist heute ein wichtiger Anziehungspunkt für Besucher von Al Azraq. 

Lawrence von Arabien
Bereits im Alter von 21 Jahren reiste Lawrence als Student der Geschichte der Universität Oxford wochenlang zu Fuß und allein durch Syrien und Palästina, um die Architektur von Kreuzfahrerburgen zu erforschen. Von 1911 bis 1914 war er an Ausgrabungen in Karkemisch am oberen Euphrat beteiligt und erlernte dabei die arabische Sprache. Im Norden Syriens entstand seine schwärmerische Liebe zu den Beduinen, einer, wie er empfand, großen Nation. Im Januar 1914 schloss er sich einer vom Palestine Exploration Fund geführten kartographischen und archäologischen Expedition durch die Negev-Wüste an, die auch der strategischen Auskundschaftung durch den britischen Geheimdienst diente. Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges und dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches gehörte Lawrence seit Dezember 1914 dem britischen Nachrichtendienst in Kairo an. Im Juni des Jahres 1916 zettelte Scherif Hussein, der Emir von Mekka, mit seinen Söhnen einen Aufstand auf der Arabischen Halbinsel gegen den osmanischen Sultan an. Scherif Hussein wurde von den Briten mit Geld und Militärberatern unterstützt.

Aufgrund seiner Orts- und Sprachkenntnisse wurde Leutnant Lawrence als Verbindungsmann ausgewählt und an den Ort des Geschehens gesandt. Rasch avancierte er zu einer der Schlüsselfiguren des arabischen Unabhängigkeitskampfes, nicht zuletzt durch einen engen, von gegenseitigem Respekt getragenen Kontakt zu Faisal I., einem der Söhne des Emirs. Lawrence, der über keine besondere Militärerfahrung verfügte, übernahm Taktiken des Guerillakrieges, da die schlecht organisierten Beduinen für offene Feldschlachten zu schwach waren. Bereits vor Lawrence’ Eintreffen wurden solche Taktiken diskutiert, sodass er keineswegs als alleiniger Urheber gelten kann.

Die arabische Revolte
Der Guerillakrieg beschränkte sich im Wesentlichen auf Überraschungsangriffe auf kleinere osmanische Militärposten und Sprengstoffanschläge auf die Hedschasbahn, eine Eisenbahnlinie von Damaskus bis Medina, sowie auf Anschläge auf die Wasserversorgung am Jamur. Diese Nadelstichaktionen schwächten und demoralisierten die osmanische Armee nachhaltig und führten im Juli 1917 zur Einnahme der Hafenstadt Akaba. Der vorherigen Eroberung von Al Wajh im Januar 1917, der Hafenstadt auf halbem Wege nach Akaba, kam dabei eine entscheidende Bedeutung zu – sie wurde zum Wendepunkt im Feldzug gegen die Osmanen unter Cemal Pascha. Lawrence ließ nach seinem Eintreffen Al Wajh zum Hauptstützpunkt für Faisal I. ausbauen. Am 1. Oktober 1918 fiel Damaskus an die arabischen Rebellen, am gleichen Tag marschierten auch die britischen Streitkräfte in die Stadt ein.

Nach dem Waffenstillstand zog sich Lawrence, seelisch und körperlich erschöpft, aus seiner Sonderrolle bei den Arabern zurück. Ihn plagten schwere Schuldgefühle, hatte er doch die ganze Zeit über gewusst, dass der nördliche arabische Raum nach dem Krieg gemäß dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen von 1916 in britische und französische Einflusszonen aufgeteilt werden sollte. Lawrence lehnte in der Folge Auszeichnungen und hohe Posten kategorisch ab. Er setzte sich bei der Friedenskonferenz von Paris im Jahr 1919 sowie noch einmal im Jahr 1921 in Kairo als Berater von Churchill für die Unabhängigkeitsbestrebungen seiner arabischen Freunde ein, freilich nur mit mäßigem Erfolg. Danach versteckte er sich 1923 – vermittelt durch einen Freund im Kriegsministerium, Sir Philip Chetwode – unter dem falschen Namen T. E. Shaw in der britischen Luftwaffe, wo er bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 1935 als einfacher Soldat diente. Bis zuletzt wurde er von der Öffentlichkeit verfolgt, die seinen Wunsch nach Anonymität nicht respektierte

 

Quelle: http://www.jordanien-reisen.info/Al-Azraq.html; https://de.wikipedia.org/wiki/T._E._Lawrence