WM 2014: Zum Eröffnungsspiel in Sao Paulo

„Malo nas je, al nas ima“ – es ist dieser Tage der populärste Satz unter den Kroaten, die zur Weltmeisterschaft nach Brasilien gereist sind. Übersetzt heißt es soviel wie „wir sind wenige, aber uns gibt´s überall“. Es sagt viel aus über die Mentalität der Kroaten und ihre Liebe zur Heimat aus.

Spaziert man dieser Tage mit einem kroatischen Trikot über die Copacabana in Rio de Janeiro, fühlt man sich geradezu wie ein Superstar. Überall jubeln und schreien die Menschen „Croachia, Croachia,…“, wollen Erinnerungsfotos mit den auffälligen rot-weiß-karierten Trikots. Trägt man dazu noch eine Gesichtsbemalung, kommt man keine zwei Meter weiter, ohne für ein Foto angehalten zu werden. „Es ist schön euch hier zu haben. Wir lieben den Fußball und freuen uns auf alle Gäste“, sagt Maria, eine Kokoswasserverkäuferin aus Rio. „Aber Brasilien wird trotzdem Weltmeister“. Naja, bisher hat sich die Heimmannschaft sehr schwer getan. Den Sieg im Eröffnungsspiel sieht die ganze Welt jedenfalls mit skeptischen Augen. Alle, außer die Brasilianer. Für sie ist ganz klar Neymar „the man of the match“. Das brasilianische Fußballverständnis erlaubt nämlich kein schlechtes Spiel.

Sonne, Copacabana und Caipis

Aus Sicht der FIFA und der Brasilianer ist im letzten Moment noch mal alles gut gegangen. In Sao Paulo hat man ausgelassen gefeiert und dem ganzen Land ist nach dem Sieg gegen Kroatien (3:1) ein Stein vom Herzen gefallen. Vor allem den Offiziellen, die bei einer Niederlage wohlmöglich Ausschreitungen zu befürchten hätten. Und die hätte es der Stimmung zufolge garantiert gegeben. Als Fair kann man die Brasilianer nicht bezeichnen. Nach dem Spiel wurden die kroatischen Fußballfans in südamerikanischen Stil provoziert. „Die Brasilianer können so ein schlechtes Spiel nicht verkraften! Wir konnten kaum in ein Café gehen. Überall wurdest du von irgendwelchen Idioten bedrängt. Die Sicherheitsleute konnten schlimmeres verhindern“, sagt Mate aus Zagreb, der über Addis Abeba nach Sao Paulo angereist ist. Aber das war auch die einzige negative Erfahrung, die man als kroatischer Fan hatte. Die meisten sind einen Tag später nach Rio gereist. Dort sieht man das sowieso etwas lockerer – bei Sonne, Copacabana und Caipis.

Die ganze Welt versammelt

Rio de Janeiro ist eine ganz andere Welt im Gegensatz zu Sao Paulo, das mit seinen knapp 22 Millionen Einwohnern an eine typische Großstadt erinnert. Die Menschen sind herzlicher und harmonischer, was wohl am warmen Klima liegt. Übrigens: In Brasilien ist gerade Winter (30°C in Rio). „Rio ist eine Touristenstadt, in Sao wird nur gearbeitet, die kennen keine Ruhe und keine Gastfreundschaft“, sagt Mario, ein brasilianischer Journalist. Das ist wahr! In Sao Paulo war es nahezu unmöglich eine Wechselstube zu finden. Euro gegen Real? –das geht nicht! Und Englisch konnte auch niemand. Da war jeder WM-Gast froh endlich am berühmtesten Strand der Welt angekommen zu sein. Rio ist dieser Tage der Angelpunkt aller Fußballfans. Alle kommen nach Rio und fahren von hier zu den Spielen. Engländer, Deutsche, Mexikaner, Chilenen, alle sammeln sich an der Copacabana oder im Partyviertel Lapa. Aber keiner sticht so heraus wie die Kroaten! Noch nie habe ich so häufig ein Trikottausch angeboten bekommen.