Fritz Schramma: „Köln ist mein jeföhl“

Wenn der Kölner schon immer etwas geliebt hat, dann der Obrigkeit eins auszuwischen. Fritz Schramma hat seine Kölner von der guten, aber auch von der schlechten Seite kennengelernt. Der Ex-Oberbürgermeister hat sich allerdings nie als Teil der Obrigkeit gefühlt: „Ich war immer ein normaler Bürger, der vom Volk gewählt wurde.“ Für ihn ist der Kölner nicht unbedingt gegen die Obrigkeit, vielmehr ist er gegen jede Form der Fremdbestimmung.

In der Geschichte wurde das immer deutlich als Köln besetzt wurde. „Wenn er was nicht haben wollte, dann hat er sich immer quer gestellt.“ In der heutigen Zeit ist das mit dem „quer stellen“ weniger geworden. Nur wenn es richtig donnert melden sich die Bürger. Fritz Schramma hat das beim Einsturz des Stadtarchivs vor drei Jahren zu spüren bekommen. Die „politischen Prügel“ waren sehr hart erinnert er sich. „Du kommst morgens aus dem Urlaub geeilt, hast ein paar Bilder im Fernsehen gesehen und plötzlich stehen da dutzend Kameras vor einem die nach Schuldigen fragen. Was sagt man da?“ Der Kölner wartet heute noch auf Antworten. „Viele Prozesse dauern in Köln zu lange. Dann werden die Bürger ungeduldig und die Kosten steigen währenddessen“, sagt Schramma. „Im Nachhinein habe ich mich vielleicht zu menschlich verhalten.“ Zur gegebenen Zeit wird er den ganzen Fall aufarbeiten.

Gemeinsames Gefühl des Respekts und der Toleranz

In schwierigen Zeiten lernt der Mensch den üblichen „Schulterklopferer“ von richtigen Freuden zu unterscheiden. Köln hat den Ruf einer schnellen Freundschaftsschließung. Das bleibt aber oft nur an der Oberfläche. Das weiß auch Schramma: „So viele Freunde kann man gar nicht haben, wie der Kölner denkt zu haben!“ Es ist dennoch schön das Köln diesen Ruf hat. Schließlich treffen sich hier die Völker und Kulturen der Welt. Fritz Schramma hat sich während seiner Amtszeit immer für die Völkerverständigung eingesetzt. „Wir müssen ein gemeinsames Gefühl des Respekts und der Toleranz mit allen Menschen teilen“, fordert er. In Köln ist das schwieriger als gedacht. Der Moscheebau ist immer noch ein aktueller Kritikpunkt. Schramma hofft, dass der Kölner sich in einiger Zeit daran gewöhnen wird.

Man soll niemals nie sagen

Für die Außen-PR der Stadt wäre es nur von Vorteil. Neben dem Karneval hat Köln mehr zu bieten. Da ist die Kultur, die Wirtschaft und der Sport. Aber all das kann nur gefördert werden, wenn es der Stadt wirtschaftlich gut geht. „Ich wünsche der Stadt für die Zukunft einen gesunden Haushalt, damit die Entwicklung voran geht“, sagt Schramma. Der heute immer noch in der Politik mitreden kann: „ich tausche mich regelmäßig mit meinem Nachfolger Roters aus!“ In der heutigen Zeit ist es nicht einfach Bürgermeister zu sein. „Oft kannst du nur auf den Tisch hauen, aber mehr auch nicht!“ Wahrscheinlich wäre sogar Konrad Adenauer im modernen Klüngel schwer zu Recht gekommen. Auf die Frage, ob Herr Schramma denn auch mal Kanzler werden könnte, wie einst Adenauer, sagte er lachend: „Man soll niemals nie sagen!“

Aus dem Gespräch mit Fritz Schramma (CDU).

Fritz Schramma (geb. 27. August 1947 in Köln-Nippes) war von 2000-2009 Oberbürgermeister der Stadt Köln.