Wo wurde Jesus getauft – in Israel oder Jordanien?

Jordan – Der berühmteste Fluss der Welt liegt genau an der Grenze zwischen zwei Staaten – dem Königreich Jordanien und dem von Israel besetzten Westjordanland.  Dort wurde vor über 2000 Jahren Jesus von Nazareth getauft, nach christlichem Glauben der Sohn Gottes. Aber auf welcher Seite? Jordanier und Israelis streiten sich seit Jahrzehnten um den genauen Taufort. Ich habe beide Orte besucht und kann eine Tatsache vorwegnehmen, zum Schluss zählt nur der Glaube an diesen besonderen Ort.

Aber den Israelis und den Jordanien geht es eher um den Profit, denn die Taufstätte Jesu ist eine Touristenattraktion. Jordanische Privatinvestoren haben in den vergangenen Jahren 32 Millionen Euro gespendet, um deren traditionelle Taufstätte zu einer Touristenattraktion zu gestalten. Mit bescheidenen 1,6 Millionen Euro versuchen es die Israelis jetzt auf ihrer Seite nachzumachen. Beiderseits des Jordan, wo einst die Israeliten unter Josua nach dem Tod des Moses in das Land Kanaan eindrangen und wo Johannes der Täufer auf Jesus wartete, wurden hölzerne Tribünen errichtet. Pilger sollen bequem zum Jordan gelangen, um ins Wasser einzutauchen.

Jordanien und Israel im Konflikt

Auf der jordanischen Seite wurde vor etwa sechs Jahren eine stattliche Kirche mit vergoldetem Zwiebelturm im byzantinischen Stil errichtet. Auf der israelischen Seite warnen gelbe Schilder mit roten Dreiecken vor dem Betreten der zahlreichen Klöster, Kirchen und Gebetsnischen. Die ganze, mit Stacheldraht umzäunte Gegend, ist voller ungeräumter Minen. Ende der sechziger Jahre war die Gegend noch ein Schlachtfeld. Palästinensische „Terroristen“ drangen von Jordanien in das frisch besetzte Westjordanland ein, nahmen Mönche als Geiseln und benutzten Klöster als Basis für Anschläge gegen Israel. König Hussein von Jordanien setzte dem Spuk im blutigen „schwarzen September“ 1970 ein Ende, als Jassir Arafat gegen ihn putschte und die königstreuen Truppen über zehntausend Palästinenser massakrierten.

Heute haben die Jordanier ein ganz anderes Problem, denn die Israelis pumpen die Zuflüsse in den Jordan für das Trinkwasser ab. Seitdem ist nicht mehr viel Wasser durch den Jordan geflossen. Dennoch haben beide Länder Frieden geschlossen. Ausgerechnet bei „Qasr el Jahud“, der „Judenfestung“, wie auf Arabisch die Taufstelle heißt, ist die friedliche Wirklichkeit zu einer fassbaren Idylle geworden. „Wir haben deren Baupläne, und die kennen unsere“, sagt Leutnant Ofer vor einigen Tagen, während ein paar Touristen auf der jordanischen Seite interessiert seinen Ausführungen für Journalisten bei einer Pressefahrt des israelischen Tourismusministeriums folgten. Seit Jahren gab keine Zwischenfälle mehr, behauptet Ofer. Er erwähnt nur zwei „besoffene Bauarbeiter“, die ins Wasser sprangen und „nach Jordanien“ schwammen. „Die Jordanier haben sie uns sofort zurückgeschickt.“

 

 

Quelle: (http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Wo-wurde-Jesus-getauft-article41764.html)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.