In Strauß´Tradition

Horst Seehofer will es nun doch noch einmal wissen. Der 67-Jährige wird in diesem Herbst erneut als CSU-Vorsitzender und im September 2018 erneut als Ministerpräsident kandidieren. Es wäre seine dritte Amtszeit als bayerischer Regierungschef. Dabei hatte Seehofer eigentlich schon seinen Rückzug angekündigt. Aber was heißt das schon?

Als die Meldung am Sonntagabend durchsickerte, gab es in den Sozialen Medien kein Halten mehr. Wie gewohnt, gab es auf Twitter ganz schmeichelhafte, aber auch böse Kommentare:

 

 

Sehr hübsche Zeile zu #Seehofer @SZ pic.twitter.com/wCpEDTkXXx

 

#CSU:#Horst stellt morgen #Seehofer als #Nachfolger vor.
Er will damit #Söder den Weg zur #Macht weiter versperren:https://t.co/Pnq1lOVu3n

 

Nein, es ist keine Überraschung! Jeder der etwas von Bayern, der CSU und ihrem Chef versteht, kann wirklich geglaubt haben, dass unser Horst aufhören will. Es liegt in der bayerischen Staatstradition, so lange wie nur möglich weiter zu machen. Strauß und Stoiber haben es vorgelebt. Da zählen auch vorherige Versprechungen nichts, wie etwa die im Januar 2015: „Was meine Person angeht, bleibt es dabei: Ich werde bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr kandidieren.“ Aber das ist moderne Politik. Sie lebt von der Aktualität und Meinungsumfragen. Von Agenda Setting und neusten Trends. Seehofer hat seine Gründe für den Meinungswechsel und hoffentlich eine Antwort für die Zukunft. Einer hätte sie sicherlich jetzt schon gehabt: Markus Söder.

Dennoch denke ich, dass Seehofer wohl am ehesten derjenige ist, der bei den kommenden Bundeswahlen und 2018 in Bayern eine starke CSU garantiert. Dafür muss die Partei Seehofers Volten ertragen. Etwa jene, erst über lange Zeit die Kanzlerin härter zu kritisieren als die Opposition, um dann zu der Erkenntnis zu gelangen, dass CDU und CSU nur gemeinsam Erfolg haben werden. Noch schwieriger ist die Lage bei uns in Bayern: Hier ist nach wie vor die absolute Mehrheit das Maß aller Dinge. Die wird schwer zu erreichen sein in einem Landtag, in den möglicherweise sechs Parteien einziehen. Spätestens nach der Bayernwahl wird die Personaldebatte erneut geführt. Und der von den Medien betitelte „Prinz Charles von Bayern“ wird sich bereits in Stellung gebraucht haben.