„Im Schatte des Kölner Doms“

Wieso lebt ein Künstler in Köln? Für HA Schult ist die Antwort leicht: „Köln liegt näher an Paris, an Brüssel und an Antwerpen!“. Der westlich orientierte Künstler hat sich für Paris entschieden. Gegen Berlin, was näher an Moskau liegt.

Seit 1992 lebt er am Kölner Eigelstein, im Schatten des Doms. „Köln ist die Stadt mit den meisten Künstlern von Weltgeltung“, sagt HA, „in den 60er und 70er Jahren war Köln die Kulturhauptstadt Europas. Nimmt man das gesamte Gebiet um Köln, hatten Paris und London nicht vergleichbar so viele Kunstwerke.“ Leider sind diese Zeiten vorbei. „Wie Welt ist zu einem globalen Dorf geworden und Köln ist ein kleiner Teil davon“, erklät HA. „Seitdem die Bundesregierung aus Bonn abgezogen ist, kamen immer mehr Orte dazu und Köln verlor an Bedeutung.“

Dennoch ist Köln für ihn eine Stadt die lebt. „Es geht Berg auf und Berg ab, wie beim FC“, schmunzelt HA. Einer Millionenstadt muss es auch nicht immer gut gehen. „Erst wenn sie unten ist, kann sie sich wieder auf etwas Neues besinnen.“ Er fordert vor allem die Zuständigen im Kulturdezernat auf, sich mehr um  Köln zu kümmern. „Köln hat das Talent Menschen einzustellen, die andere Städte nicht haben wollen“, sagt HA. „In Köln ist die Kunst ein Lebensmittel.“ Der Kölner hatte schon immer einen Sinn für die Kultur. Was die Musik in Wien ist, ist das Sammeln in Köln. Das hat der Kölner in den Genen. Seit dem Mittelalter ist Köln das Zentrum für Kunstsammler. Aber auch die Aktionskunst von HA Schult gehört zur Stadt. „Die Kölner haben sich nach dem zweiten Weltkrieg erhoben und die Kunst auf die Straßen gebracht.“ Die Wirtschaft boomte und Köln wurde neben der Kultur, auch zu einer Autostadt. Deshalb auch das berühmte „Flügelauto“ auf dem Zeughaus.

Wer sind eigentlich die berühmtesten Kölner? Schwer zu sagen. Es gibt einen ganzen Müllhaufen, der bekannter ist, als manch ein Deutscher in Hollywood. Die Müllmänner von HA Schult. Aus den Abfällen der Kölner erschaffen. „Der Müll ist noch immer ein aktuelles Thema. Meine Müllmänner werden noch so manche Generationen überleben“, sagt HA. Er ist in Köln gut bedient und möchte den Leuten auch nicht auf die Nerven gehen. Doch wenn ihm was nicht passt, dann wird er nicht schweigen. So protestierte er, als es um das WC Schild vor dem Kölner Dom ging. Jahre lang stand es auf der Domplatte und tausende haben sich davor fotografiert. „Jetzt denkt doch die ganze Welt, Köln sei ein riesiges Klo“, spottet HA, „das ist aber alles typisch Köln.“

 

Aus dem Gespräch mit Hans-Jürgen Schult.

HA Schult (geb. 24. Juni 1939 in Parchim) ist ein deutscher Künstler, der die Objekt- und Aktionskunst vertritt. Zu seinen bekannten Werken gehören das Flügelauto, die Trash People, der Kaiserbau und die Liebesbriefe am Berliner Postfuhramt.

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