Die USA warnen vor einem Cyberkrieg mit China

Beide Länder haben umfassende technologische Fähigkeiten. Weil „Missverständnisse drohen“, müsse Vertrauen geschaffen werden. China will nicht für Angriffe auf die USA verantwortlich sein.

Die USA haben vor der Gefahr eines Cyberkriegs mit China gewarnt. Beide Staaten hätten in diesem Gebiet umfassende technologische Fähigkeiten erworben, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta in Washington, während eines Besuchs seines chinesischen Kollegen Liang Guanglie. Daher sei es wichtig, „gemeinsam nach Wegen zu suchen, um jede Fehleinschätzung oder fehlerhafte Wahrnehmung zu vermeiden, die zu einer Krise führen könnte“. Liang lehnt eine Verantwortung seines Landes für Hackerangriffe auf die USA ab. Zudem sei er mit Panetta übereingekommen, dass nicht alle derartigen Angriffe auf US-Einrichtungen ihren Ursprung in China hätten. Es sei eine Zusammenarbeit bei der Cyberabwehr vereinbart worden.

China gilt neben Russland als eines der Länder, aus denen die meisten Webattacken auf die Infrastruktur des Internet abgefeuert werden. Inwieweit der chinesische Staat diese Aktivitäten duldet oder befördert, bleibt unklar. Cyberangriffe werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Die bekanntesten Zwischenfälle sind jener auf das iranische Atomwaffenprogramm mit der Schadsoftware „Stuxnet“, der den USA und Israel zugerechnet wird. IT-Experte Odjesi Jarane erklärt, dass in Zukunft globale Konflikte intensiver über das Internet ausgetragen werden. Viele Staaten hätten bereits begonnen, ganze Hacker-Einheiten auszubilden die diese Aufgabe übernehmen sollen.

Die neue Art der Kriegsführung

Vor einem halben Jahr hatten amerikanische Geheimdienstler China öffentlich beschuldigt, hinter Hackerangriffen gegen die USA zu stecken. Im Sommer 2011 bestätigte die chinesische Armeeführung erstmals, eigene Elitehacker zu beschäftigen, eine Art Cyber-Armee. Der Einsatz des Computervirus „Stuxnet“ markierte den Beginn dieser neuen Art der Kriegsführung. Der Computerwurm gilt als erste digitale Bombe, der nicht nur Computer ausspäht oder lahmlegt, sondern echt physische Zerstörung angerichtet hat, weil er iranische Uranzentrifugen zur Explosion brachte.

Der Einsatz von „Stuxnet“ könnte den Moment markieren, an dem die Welt faktisch in die „Ära des Cyberkriegs“ eingetreten ist. Das ist vergleichbar mit Technologiesprüngen wie dem ersten Einsatz von Schießpulver, der Erfindung des Panzers oder dem Abwurf der ersten Atombombe. Längst hat ein Wettrüsten begonnen. Regierungen, Geheimdienste und Militär verpflichten Hacker und Programmierer. Sie entwickeln Trojaner und Viren, mit denen in fremde Rechnernetze eindringen können, um Daten zu stehlen oder Schaden anzurichten.