Der Wandel im Feuilleton

Das Feuilleton – Zentrum der kulturellen und intellektuellen Öffentlichkeit. Lange Zeit  das meinungsbildende Medium der deutschen Gesellschaft. Doch das Feuilleton befindet sich im Wandel. Die Kultur wird neu definiert. Neue Medien haben sich ausgebreitet.

Die klassische Kulturberichterstattung verblasst in den heutigen Printmedien. Die Kulturöffentlichkeit wird zunehmend ätherisch. Allerdings verschwindet die Kultur nicht völlig aus den Printmedien, es werden neue Wege gesucht. Das Internet prägt die Möglichkeit einer neuen Mediennutzungslogik. Einige Kritiker behaupten, die beste Zeit des Feuilletons sei schon vorbei. Das Feuilleton verliert seine Rolle als meinungsbildendes Ressort. Jahrzehnte lang diente es als Plattform für entscheidende politische und gesellschaftliche Debatten. Kriege, gesellschaftlicher Wandel und neue Gedenkstätten zählten zu den Hauptthemen bis spät in die neunziger Jahre. Heute ist das Feuilleton mit ausreichendem Informationsangebot ausgestattet, aber mit keiner bemerkenswerten Meinungsbildung mehr.

Typisch für das Feuilleton ist die Vielfalt der kulturellen Themen. Kulturjournalisten reflektieren die Kunst, die Musik und die Inszenierung, um dem Leser eine Orientierungshilfe zu verschaffen. Das erfordert eine ausgeprägte Beobachtungsgabe und einen beträchtlichen Wissensvorsprung.  Durch das Internet wirkt das Kulturpublikum nunmehr genauso gebildet wie der Feuilletonist. Der klassische Informationsvorsprung des Kulturjournalisten geht dabei verloren. Wer braucht da noch Kritiker? Eine zentrale Frage in der Debatte um den „Wandel des Feuilleton“. Durch digitale Themen schuf das Internet neue Zugangsmöglichkeiten zur Kultur. Die Kulturöffentlichkeit definiert sich zunehmend mit YouTube, iTunes oder Wikipedia neu. Wo früher der Kritiker die Kunst für die Gesellschaft rezensierte, muss nun die Gesellschaft für die Kunst studiert werden. Klassische Feuilletonthemen wurden mit der Zeit zum Quotenkiller. Viele Printmedien halfen sich mit neuen Ressorts wie „Kultur und Medien“ oder „Kultur und Gesellschaft“. Andere konnten auf den Wandel nur spät reagieren. Viele Tageszeitungen mussten den Umfang des Feuilletons halbieren.

Feuilleton ist  mehr als bloße Berichterstattung. Es besteht aus vielen Spartenkritiken, die alle Bereiche der Kultur umfassen. Die journalistische Darstellungsweise lässt sich nicht nur am Ressort erkennen, sondern auch an der Art des Zugangs. Das macht die Besonderheit des Feuilletons aus. Die Eigenart über Musik, Theater, Kunst und Film zu berichten. Dieser Anspruch auf die feuilletonistische Darstellungsweise ist in den letzten Jahren ins Wanken geraten. Der jüngere kulturinteressierte Leser schaut wohl eher auf die Bewertungssternchen einer Inszenierung im Internet, als die Meinung des Feuilletonisten nachzulesen. Das Umdenken viel dem klassischen Feuilletonressort schwer. Andere Feuilletons bedienten sich neuer journalistischer Darstellungsweisen, wie dem Pop-Journalismus. Mehr Unterhaltung, statt bloßer Rezension. Feuilletons setzten dabei eher auf Blogs aus dem Internet, als auf mehrspaltige Kritiken. Der Blog erlaubt der Kulturöffentlichkeit sich an der Kritik mit zu beteiligen. Sie stellt somit den Feuilletonisten und den Leser auf die gleiche Ebene. Ob die Qualität darunter leidet ist fraglich. Der Blog hat viele Funktionsweisen der klassischen Kulturberichterstattung übernommen. Fest steht, die Beziehung zwischen Journalismus und Kultur hat sich enorm verändert.

Ein guter Feuilletonist sollte möglichst ein geisteswissenschaftlichen Studium abgeschlossen haben und nie eine kulturelle Veranstaltung verpassen. Doch das war einmal. Vom Kulturjournalisten wird heutzutage mehr verlangt, als nur beobachten und Kritiken schreiben. Er braucht praktisches Wissen und sollte sich bestens in den Redaktionsalltag integrieren können. Der Kulturjournalist wurde vom Meinungsführer zum Einzelkämpfer. Er nutzt das Feuilleton für individuelle Zwecke und rückt dadurch näher an das Publikum. Vor allem der kulturjournalistische Nachwuchs könnte darunter leiden. Durch das Entfallen des Denkvorsprungs, wird es zunehmend schwieriger, sich in der Branche zu etablieren. Dabei bietet das Internet viel Raum für kulturjournalistisches Handwerk. Allerdings könnte sich das negativ auf die Entlohnung auswirken, jedoch nicht auf  Kosten der Qualität. Die neuere Entwicklung zeigt, dass Kulturjournalismus insgesamt zunimmt. Das Feuilleton ist nicht dem Untergang geweiht, es wird nur moderner. Wie auch andere Ressorts, musste man sich auf den gesellschaftlichen Wandel einlassen. Doch ein guter Kritiker wird auch weiterhin seine Leser finden. Das klassische Feuilleton bleibt das Grundelement für den Kulturjournalismus.