Das einzigartige Buch eines Papstes

Das Zitat von Papst Benedikt XVI. in seinem Buch „das Licht der Welt“, in dem er den Gebrauch von Verhütungsmitteln toleriert, hat für hohes Aufsehen gesorgt. Nicht nur dieses Thema behandelt der Papst, er zeigt sich auch als ein harscher Kritiker der Kirche.

Das Buch entstand nach mehreren Stunden des Gesprächs, die der deutsche Publizist Peter Seewald mit Papst Benedikt XVI. geführt hat. Seewald hat bereits in den 90-er Jahren des vergangen Jahrhunderts zwei Bücher mit Interviews des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger veröffentlicht. Das Buch war vor seiner Veröffentlichung eine Sensation. Kein Vorgänger Benedikts hat so breit und detailliert über die katholische Kirche gesprochen. Von wichtigen Entscheidungen, aber auch von Fehlern, die er während seiner Amtszeit gemacht hat.

So hat Papst Benedikt eingestanden, einen Fehler bei der Aufhebung der Exkommunizierung des englischen Kardinals Robert Williams begannen zu haben. Hätte er gewusst, dass der ultrakonservative Kardinal und Mitglied der Pius-Bruderschaft, den Holocaust leugnet, hätte er die Aufhebung der Exkommunikation niemals genehmigen. Der Papst hat seine enge Verbundenheit zum Judentum hervorgehoben und das Handeln von Papst Pius XII. gelobt, der, so sagt es der Papst, während des zweiten Weltkriegs viele Juden und andere Menschen gerettet hat. Auch diese Aussage traf auf heftige Kritik der Juden in Frankreich.

In den Fußstapfen seines Vorgängers

Durch 220 Seiten und 90 Fragen und Antworten, entwirft der Papst ein Bild der letzten fünf Jahre seines Pontifikats. Auf politische Themen geht er kaum ein. Den Schwerpunkt setzt er auf die Menschenrechte, den Frieden in der Welt und die Gerechtigkeit aller Menschen. Für sein Pontifikat sieht er keine neuen großen Aufgaben für die Weltkirche. Er möchte dem Weg seines Vorgängers Papst Johannes Paul II. folgen. Das Wort Gottes in die Welt tragen und die Christenheit im Glauben vereinen, ohne die er nicht arbeiten könnte.

Der Papst hat offen über die Missbrauchsskandale gesprochen, die die gesamte katholische Kirche erschüttert hat. Für den Papst waren die Veröffentlichungen über missbrauchte Kinder in katholischen Klöstern, genauso ein Schock wie für alle anderen. Darüber hinaus betont er, dass der Brief an die Katholiken in Irland, auch an alle anderen Länder adressiert ist, in denen Kinder missbraucht wurden.

Benedikt hofft auch auf ein schnelles Treffen mit dem Patriarchen von Moskau Kyrill. Benedikt und Kyrill haben sich bereits vor fünf Jahren im Vatikan getroffen, als er noch Außenminister der russisch-orthodoxen Kirche war. Der Papst hat die Befürchtung, dass in Russland eine gewisse Angst vor der katholischen Kirche bestehen könnte. Er hofft, dass das Zusammentreffen ein großer Schritt zur Einheit der orthodoxen und katholischen Christenheit sein könnte.

Die signalisierte Offenheit            

Was die klassischen Themen betrifft, hat der Papst seine üblichen Statements wiederholt. Dazu gehören die Themen des Celibats, das heiraten nach einer Scheidung und die Möglichkeit, dass auch Frauen katholische Geistliche werden könnten. Der Papst behandelt auch das schon bekannte Thema über die Benutzung von Kondomen. Im Falle  einer Gefährdung durch HIV, ist der Gebrauch von Kondomen durchaus berechtigt, allerdings nicht mit dem ursprünglichen Glauben vereinbar. Der Papst hat sich dennoch für einige Themen offen gezeigt, wie zum Beispiel der Abtreibung. In manchen Fällen, so sagt er es, sollten die Formulierungen umschrieben werden und das Thema erneut zur Diskussion gestellt werden.

Papst Benedikt hat sich auch zu einem möglichen Rücktritt aus dem Amt des Papstes geäußert. Er sagt, dass er niemals wegen einer problematischen Krise sein Amt niederlegen würde. Aber er würde zurücktreten, wenn er sieht, dass er durch seine Krankheit nicht mehr in der Lage wäre, die Kirche zu führen. Benedikt bleibt, trotz der hohen Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche, optimistisch. Er möchte der Kirche einen geistlichen Schub bringen und ihr mehr Elan geben, als die Bürokratie es tun könnte. Gott soll, so der Papst, wieder im Mittelpunkt der Welt stehen.