Copacabana – Sehnsuchtsort und Mythos

Die Freiheit, die Schönheit, die Jugend. Die Zeit am berühmtesten Strand der Welt haben mir eines deutlich gemacht: das Leben ist zu kurz, um alle Schönheiten dieser Erde zu erleben. Aber jeder Mensch, der ein einziges Mal den Hauch der Freiheit einatmen möchte, der sollte an die Copacabana kommen. Dort wird die Freiheit gelebt – in der Jungend und Schönheit. Während der Weltmeisterschaft 2014 konnte ich die Befreiung der Seele ernsthaft spüren. Ein komisches Gefühlt. Denn in diesen Tagen hat sich die ganze Welt in Rio versammelt. Plötzlich war es egal, wer gegen wen spielt oder woher man kommt. Alle wurden von diesem goldenen Strand, unter den Augen des Christo Regentor, in ihren Bann gezogen.

Für die Cariocas, die Uhreinwohner Rio de Janeiros, war die Copacabana irgendeine beschwerlich erreichbare Felsenkette irgendwo am Ende ihres bewohnten Landes. Erst als man 1892 einen Tunnel durch diesen Teil Rios erschloss, fand man hinter den Felsen einen paradiesischen Strand, der vollkommen unbelastet von der kolonialen Vergangenheit war. Das sollte das neue Rio werden – die Copacabana.

Eine ganz neue Lebensweise

Im laufe der darauffolgenden Jahrzehnte entstanden die ersten Kleinhäuser, Mehrgeschosse und Villen an der Copacabana, darunter auch das berühmte „Copacabana Palace“ von 1923, welches noch heute zu den Top-Adressen der brasilianischen Metropole gehört. Heute stehen dort fast nur noch Hochhäuser. Schon in den 1920er-Jahren brachte die Copacabana eine ganz neue Lebensweise hervor – einen neuen Menschen, der seine Lebenshaltung über den Körper definierte, nicht über Moral, Geist oder Arbeit. Körperlichkeit ist in Rio mehr als anderswo prägend für die individuelle und kollektive Identität – und für diese Entwicklung ist Copacabana ein paradigmatischer Ort. Auch in Sachen Mode entwickelte sich Rio anders als alle anderen. Mit dem berühmten knappen Tanga-Bikini und Micro-Bikini hegten die Cariocas ihren ganz eigenen Lebensstil.

Trotz des freien Lebensstils an der Küste, liegt die Zukunft Rios wo anders – in den Favelas. Interessant: Diese Slums waren in den ersten Konzepten der Stadtbebauung niemals vorgesehen. Bereits 1902 äußert man sich in Zeitungen schon besorgt über den Zuzug der Armen auf die Hügel. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Favelas von der Stadtpolitik völlig ignoriert. Inzwischen wurden die Armenviertel allerdings zu einer touristischen Attraktion, auch für die wohlhabenden Einwohner Rios. Was im Vergleich mit anderen südamerikanischen Großstädten in der knapp 7-Millionen-Einwohnerstadt Einzigartig ist,  dass die Armen oben auf den Hügeln leben und die Reichen unten. Anderswo ist es genau umgekehrt. Seine Bekanntheit verdankt die Stadt vor allem ihrer wunderschönen Lage zwischen von üppiger Vegetation bedeckten Küstengebirgen und dem Meer. Die Strände werden jährlich von Millionen Touristen besucht. Ein weiterer Anziehungspunkt ist der weltberühmte Karneval, bei dem Tausende Tänzer der Sambaschulen durch die Straßen ziehen, für die Hauptumzüge wurde sogar ein eigenes Stadion, der Sambódromo gebaut.

 

Die Hauptstadt Brasiliens

Die Stadt war lange Zeit Hauptstadt Brasiliens und auch ihr wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, bis in den 50er Jahren die Retortenhauptstadt Brasília gebaut wurde. Gleichzeitig wurde Rio von der Bedeutung her von Sao Paulo überrundet, das heute die größte Stadt des Landes ist. Dennoch ist Rio de Janeiro nach wie vor ein wichtiges Zentrum der Wirtschaft Brasiliens mit viel Industrie; sein Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt gehört zu den höchsten des Landes. Dennoch existiert auch in Rio ein großes Gefälle zwischen Arm und Reich, das wegen der hohen Bevölkerungsdichte auf einem nur schmalen bebauten Streifen hier besonders auffällt. Das beste Beispiel hierfür sind die Favelas, informelle Elendsviertel, die teils nur wenige hundert Meter von den Vierteln der Reichen entfernt liegen.

Heute ist Rio de Janeiro eine kosmopolitische Metropole mit Einflüssen aus fast allen Kontinenten. Die Mehrzahl der Einwohner stammt von Europäern ab, man findet jedoch auch viele Afro-Brasilianer, deren Einfluss sich vor allem im Samba wiederspiegelt, dem charakteristischsten Tanz dieser Region. Das Klima ist mild, fast tropisch und feucht. Beste Reisezeit ist der Winter (Mai bis Oktober), in dem die Temperaturen tagsüber um 25-28 Grad liegen und es nur selten regnet. Selbst nachts fallen die Temperaturen kaum unter 20 Grad. Der Sommer ist schwülheiß und sehr feucht.

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.