Der größte Feind des Skisports – das Wetter!

Was ich gelernt habe: das nächste Mal unbedingt feste Schuhe anziehen! Das 75. Hahnenkammrennen in Kitzbühel ist mehr als nur ein Sportfest. Denn was für die Formel-1-Fahrer Monaco ist oder für die Tennisspieler Wimbeldon, das ist Kitzbühel für die Skifahrer. Es ist die legendärste und zugleich steilste Stecke im Abfahrtsport. Ein perfektes Sportereignis. Naja, solange das Wetter hält. Denn zum Schluss freuten sich die 25 000 Zuschauer am wichtigen Hahnenkamm-Samstag auf die kürzeste Slalom-Abfahrt der Geschichte.

Was ist passiert? Schnee und Nebel haben eine Abfahrt nahezu unmöglich gemacht! Die Organisatoren hatten die Wahl zwischen „absagen“ oder „kürzen“. Zur Freude der frierenden Zuschauer fand das Rennen nach zweistündiger Verzögerung doch noch statt. Die Strecke war allerdings statt der 3,3 Kilometer nur noch 1,6 Kilometer lang, weniger als eine Minute Laufzeit – schneller waren die Starter in Kitzbühel nach Recherchen der Nachrichtenagentur APA noch nie im Ziel.

 Die Geschichte des Hahnenkammrennens

Auf Tradition und Ruhm der Hahnenkammrennen ist der bis heute austragende Kitzbüheler Ski Club stolz, die beiden im Fanshop angebotenen Bücher heißen nicht umsonst „Chronik eines Mythos“ und „Kitzbühel – Wiege der Sieger“. Lokalen Archiven zufolge fanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Rennen mit internationaler Beteiligung statt. 1929 wurde dann eine Seilbahn auf den Hahnenkamm errichtet, 1931 erlebte das Hahnenkammrennen seine offizielle Geburtsstunde.Dass nun 85 Jahre später die 76. Auflage gezählt wird, ist der eigenen Zählweise des Vereins zu verdanken. Aus 1950 datiert die Ausschreibung des Kitzbüheler Ski Clubs zum 12. Hahnenkammrennen – das Zustandekommen dieser Zahl ist bis heute nicht geklärt. Selbst die vereinseigene Auflistung zählt bis dahin lediglich elf Rennen, von denen eine Auflage abgesagt werden musste. 1951 und 1954 wurden wiederum Rennen durchgeführt, diese jedoch nicht in die offizielle Statistik aufgenommen.

Brixener Bauer namens „Straiff“
Der ursprüngliche Gedanke dahinter war Werbung für den Kitzbüheler Wintersportverein. Der anfangs gewählte Termin Ende März sollte der Welt demonstrieren, dass am Hahnenkamm Skifahren selbst dann noch möglich ist, wenn in anderen Wintersportorten längst der Frühling begonnen hat. Wurden die Rennen zu Beginn noch auf verschiedenen Pisten im Skigebiet Hahnenkamm ausgetragen, etablierten sich ab den späten 40ern Streif (Abfahrt) und Ganslernhang (Slalom) als Austragungsstrecken. Ihren Namen verdankt die legendäre Abfahrt der Streifalm im oberen Streckenabschnitt, die einem Brixener Bauern namens „Straiff“ gehörte.

In den folgenden Jahrzehnten wurden die heutigen Charakteristika „Startschuss“, „Mausefalle“ und „Steilhang-Einfahrt“ für die rennmäßige Befahrung ausgebaut. Kleinere Adaptionen sind dennoch jedes Jahr nötig, da es sich bei der Streif bis heute um eine natürliche Piste handelt, die von den besitzenden Bauern im Sommer als Almfläche genutzt wird. Von 1932 bis 1961 gab es auch Damenrennen, ehe diese aus Sicherheitsbedenken wieder aufgegeben wurden.

Alpinen Ski-Sport steht für Kitzbühel

1966 wurde auf der Seidlalm auch Sporthistorisches beschlossen. Der französische Journalist Serge Lang diskutierte mit Honoré Bonnet und Bob Beattie, den Teamchefs Frankreichs und der USA, über die Zukunft des Skirennsports und gemeinsam riefen sie den Weltcup ins Leben. Eine Messingtafel erinnert daran. Ein Jahr später feierte die Streif ihre Weltcup-Premiere und zählt seither als einer der Klassiker zum Standard-Programm. „Tennis hat Wimbledon, der Motorsport Monte Carlo – und es gibt keinen anderen Ort, der mehr für den alpinen Ski-Sport steht als Kitzbühel“, sagte der vierfache Streif-Sieger Franz Klammer.