Die blutige Geschichte des Tower of London

Der Tower of London ist, neben dem Big Ben und der Westminster Bridge, das wohl bekannteste Wahrzeichen Londons und wird Jahr für Jahr von über zwei Millionen Touristen besichtigt. Die Faszination des Tower of London, der mit seinen zahllosen Wallanlagen, Türmen und Nebengebäuden ebenso pittoresk wie eindrucksvoll anmutet, ist bis heute ungebrochen. Seit der Grundsteinlegung im Jahre 1078 durch Wilhelm den Eroberer, wurde der Gebäudekomplex bis ins 19. Jahrhundert hinein immer wieder erweitert, umgebaut und renoviert – genauso  häufig wechselte auch seine Nutzung.

Im Laufe der Jahrhunderte diente der Tower unter anderem als Festung, die den normannischen Eroberern Schutz gegen die feindselige Bevölkerung Londons bot. Später wurde er um große Waffenlager und -werkstätten ergänzt und beherbergte von 1235 bis 1835 eine Menagerie, in der Wildtiere zur Schau gestellt wurden.

Her Majesty’s Royal Palace and Fortress
Seit 1303 ist der Komplex an der Themse Aufbewahrungsort der königlichen Kronjuwelen. Einen eher zweifelhaften Ruhm verdankt „Her Majesty’s Royal Palace and Fortress“, so der offizielle Name des Tower of London, jedoch vor allem der Nutzung als Gefängnis: Von 1101 bis 1941 saßen hier, vom gewöhnlichen Straßendieb bis zu in Ungnade gefallenen Adligen, tausende Menschen ein – die berühmteste von ihnen ist sicherlich Anne Boleyn, deren Ehemann Heinrich VIII. sie 1536 wegen angeblichen Verrats im Tower hinrichten ließ.

Die blutige Geschichte des Tower of London ist für uns heute ebenso eine faszinierende wie erschreckende. Die Trutzburg in der City wurde hauptsächlich aus massivem Kalkstein gebaut. Zwei weitere Zutaten waren erforderlich, damit aus dem Fort der englischen Könige jene unvermeidliche Sehenswürdigkeit werden konnte: Blut – und Sperma. Denn im Tower wurde nicht nur gemetzelt, sondern auch höchst irdischen Lastern gefrönt. Etliche Könige vergnügten sich mit ihren Mätressen im Lotterbett, während nur wenige Meter entfernt die von ihnen Eingekerkerten Qualen litten.

Der jammernde Mönch
Architekt der steinernen Festung im Auftrag von Normannenkönig Wilhelm dem Eroberer war ein Kleriker namens Gundulf, der wegen gelegentlicher Heulattacken als „der jammernde Mönch“ bespöttelt wurde. 1078 begannen die Arbeiten an dem Herrschaftsbau, dank dessen London zur uneinnehmbaren Hauptstadt Englands werden konnte. Wilhelm, der Usurpator aus dem fernen Frankreich, sah in der Anlage vor allem einen Schutz gegen die Engländer selbst.

Nichts weniger als das großartigste Schloss der gesamten Christenheit sollte nach Wilhelms Wunsch hier in die Höhe wachsen. Richtig fertig wurde die Burg für viele Jahrhunderte nicht: Nach dem Tod Wilhelms 1087 fügten etliche seiner Nachfolger dem Tower immer neue Gebäudeteile hinzu.

Anfänglich war die Bastion noch nicht jener düstere Kerker, als der er später berüchtigt war. Vielmehr diente der Bau den Royals zunächst als hochgerüsteter Militärstützpunkt. Erst allmählich entdeckten die Herrscher das Potenzial des Gebäudes als Dauerhaftanstalt. Und ganz nach Belieben des Despoten wurde das Prunkschloss immer wieder einfallsreich zweckentfremdet.

 

Quellen: http://natgeotv.com/de/die-blutige-geschichte-des-tower-of-london/mehr

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